Was ist Quantencomputing?
Quantencomputing nutzt die Prinzipien der Quantenmechanik, um komplexe Probleme schneller und effizienter zu lösen als klassische Computer. Dabei kommen spezialisierte Hardware und Algorithmen zum Einsatz, die klassische Rechner oder Supercomputer nicht oder nicht schnell genug lösen können.
Anders als herkömmliche Computer, die Informationen mit Bits (0 oder 1) speichern, nutzen Quantencomputer Qubits. Diese können gleichzeitig 0, 1 oder beides sein (Superposition). Zusammen mit anderen Phänomenen wie Verschränkung und Tunneleffekt erlaubt das, viele Zustände gleichzeitig zu verarbeiten.
Annealing-Quantencomputer und Gate-Modell-Quantencomputer unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise und ihrem Einsatzgebiet. Annealing-Quantencomputer, wie die von D-Wave, sind auf Optimierungsprobleme spezialisiert. Sie nutzen physikalische Prinzipien, um den besten Zustand (die niedrigste Energie) für komplexe Aufgaben zu finden, ähnlich wie Wasser das tiefste Tal sucht. Gate-Modell-Quantencomputer, wie die von IBM oder Google, funktionieren flexibler: Sie setzen auf programmierbare Quantenalgorithmen und sind für eine Vielzahl von Anwendungen geeignet, etwa in der Kryptografie oder Simulation. Während Annealing auf spezifische Probleme abzielt, sind Gate-Modelle universelle Alleskönner, aber technisch anspruchsvoller.
Mögliche Anwendungsbereiche des Quantencomputings in der Finanzbranche
Risikomanagement: Mit Quantencomputing lässt sich eine grössere Anzahl von Variablen und Assets berücksichtigen, um Risiken präziser zu simulieren. Dies könnte die Risikokosten senken und grössere, profitablere Geschäfte ermöglichen. Quantencomputing hat das Potenzial, das Risikomanagement, wie wir es heute kennen, grundlegend zu verändern.
Corporate Banking: Im Firmenkundengeschäft, besonders bei komplexen Anwendungsfällen wie Handelsfinanzierung, bietet Quantencomputing enorme Potenziale. Beispiele sind die Optimierung von Sicherheiten im Wertpapierverleih oder die präzisere Schätzung von Ausfallwahrscheinlichkeiten bei Kreditentscheidungen. Darüber hinaus könnte Quantencomputing Echtzeitentscheidungen unterstützen und so Geschäftsprozesse beschleunigen.
Retail Banking: Die Anwendungen im Retail Banking ähneln denen im Firmenkundengeschäft, jedoch sind die Herausforderungen hier aufgrund geringerer Volumina meist einfacher. Wichtige Anwendungsfelder sind Kreditentscheidungsalgorithmen und die Optimierung von Sicherheiten. Auch die Portfoliooptimierung könnte durch Quantencomputing präziser gestaltet werden.
Vermögensverwaltung und Investmentbanking: Quantencomputing könnte die Verwaltung von nicht-physischem Vermögen vereinfachen und beschleunigen. Im Investmentbanking könnten Anwendungen wie die Portfoliosteuerung, Derivatebewertung und Marktsimulation durch Quantenalgorithmen effizienter werden. Langfristig könnten Banken ihre Kapitalallokationen optimieren.
Zahlungsverkehr: Zahlungen basierend auf Quantencomputing-Technologien würden mehr Sicherheit bieten und wären deutlich schneller im Vergleich zu heute bestehenden Technologien, bspw. Blockchain. Zukünftig könnte die Technologie die Sicherheit von Transaktionen zwischen Banken neu definieren. Die Einführung eines auf Quantencomputing basierenden Geldes würde das Bankensystem grundlegend verändern.
Cybersecurity: Ein voll funktionsfähiger Quantencomputer könnte die als derzeit sicher geltenden Verschlüsselungsverfahren entschlüsseln. Daten, die heute geschützt sind, könnten von Angreifern gesammelt und später entschlüsselt werden. Post-Quantum-Cryptography (PQC) und Quantum Key Distribution (QKD) sind die wichtigsten Ansätze, um Daten gegen Quantenangriffe abzusichern.